Förderverein für Stadtgeschichte e. V. Neustadt an der Orla

Preisträger des Friedrich-Christian-Lesser-Preises 2015

Aus der Ostthüringer Zeitung, 18.10.2015. Brit Wollschläger

„Alles andere als provinziell“: Neustädter Geschichtsverein mit Landespreis geehrt

Die Historische Kommission für Thüringen verlieh dem Förderverein für Stadtgeschichte Neustadt den Friedrich-Christian-Lesser-Preis als Anerkennung für hervorragende lokale und überregionale Geschichtsforschung und kontinuierlich herausgegebene wissenschaftliche Publikationen.

Ein hochkarätiges Thüringer Historikertreffen gab es am Sonnabend im Neustädter Rathaussaal anlässl

ich der Verleihung des Friedrich-Christian-Lesser-Preises an den Förderverein für Stadtgeschichte. Uwe Schirmer (l.) gratulierte dem Vereinsvorsitzenden Werner Greiling, der auch den Vorsitz der Historischen Kommission inne hat.

Neustadt. „In keiner vergleichbaren thüringischen Stadt gibt es eine derart ausgeprägte, lebendige Geschichtskultur wie in Neustadt an der Orla“, erklärte der Historiker Matthias Werner anlässlich der Verleihung des Friedrich-Christian-Lesser-Preises an den Neustädter Förderverein für Stadtgeschichte. Seit nunmehr 20 Jahren ist der Historiker der thüringischen Kleinstadt wissenschaftlich und persönlich sehr verbunden. Alles begann mit der Bitte seines Historiker-Kollegen Werner Greiling aus Neustadt, in der Stadt Neustadt einen Vortrag zu halten, die er nicht abschlagen konnte.

Am 27. Oktober 1995 sprach Werner im voll besetzten Rathaussaal über „Thüringen im 12. Jahrhundert und die historischen Rahmenbedingungen der Entstehung von Neustadt an der Orla“. Kurze Zeit nach diesem ersten erfolgreichen Vortragsabend gründeten geschichtsinteressierte, engagierte Neustädter Bürger, darunter die damaligen Vorsitzenden des Vereins zur Pflege des Neustädter Brauchtums („Brunnenverein“) und des Vereins der Natur- und Heimatfreunde, sich der Förderverein für Stadtgeschichte.

Seitdem gab es jeweils halbjährlich einen hochkarätigen historischen Vortragsabend mit jeweils rund 100 Besuchern – ein Phänomen, was mindestens thüringenweit seinesgleichen sucht. Die Themen waren teils sehr lokal, teils überregional, aber stets mit lokalem Bezug. Als Stichworte seien Hospital und Baderstuben, die Bahnlinie Gera-Eichicht, der Bismarckturm, Kirchen un

d Kloster, die friedliche Revolution 1989 und der Cranach-Altar genannt.

Die Referenten waren teils Neustädter, teils Wissenschaftler, die zu diesen Themen geforscht hatten. Parallel zu der Vortragsreihe gibt der Verein seit 1997 eine eigene Schriftenreihe mit dem Titel „Beiträge zur Geschichte und Stadtkultur“ heraus, in der in der Regel die Themen der Vorträge vertieft werden. 22 Bände sowie vier Sonderbände sind seither erschienen. „Sie ist eine der wichtigsten landesgeschichtlichen Schriftenreihen in Thüringen“, wertete Matthias Werner.

Landespreis ist mit 1000 Euro dotiert

Betrachte man dieses Engagement in dem kleinen Städtchen Neustadt als Geschichtsforschung in der Provinz, werde diese jedoch „alles andere als provinziell“ betrieben. Der Vorsitzende des Vereins, Werner Greiling, spiele dabei die zentrale Rolle – als Initiator, glänzender Organisator und Geldbeschaffer sowie allein sechs Mal auch als Autor der Schriftenreihe.

In der Summe dieser bemerkenswerten Aktivitäten habe sich der Neustädter Förderverein für Stadtgeschichte den Friedrich-Christian-Lesser-Preis verdient. Die Idee für diesen Preis sei es gewesen, die Geschichtsforschung des Landes Thüringen und die der lokalen Geschichtsvereine zusammen zu bringen, erklärte Andreas Lesser, Stiftungsvorstand der Lesser-Stiftung

und Stifter der Forschungsstelle für Neuere Regionalgeschichte Thüringens an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Preis sei eine Anerkennung der Arbeit der Vereine vor Ort, die schließlich eine Basis der universitären Geschichtsforschung bilde.

Man werde später einmal dankend auf die Werke dieser Neustädter Forschung zurückgreifen, ist sich Uwe Schirmer sicher, der als stellvertretender Vorsitzender der Historischen Kommission für Thüringen die Urkunde in der Festveranstaltung im Neustädter Rathaussaal überreichte und eine historisch fundierte Laudatio über Geschichtsvereine im Allgemeinen und den jungen Neustädter Förderverein für Stadtgeschichte im Besonderen hielt. „Ich kann mich nur verneigen und ihnen meinen Respekt zollen, sie können stolz sein“, so Schirmer.

Zu verdanken ist der Preis der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung und persönlich dem Münchener Unternehmer Andreas Lesser, Nachfahre des Nordhäuser Historikers Friedrich Christian Lesser (1692-1754). Der Freistaat Thüringen könne sich glücklich schätzen, einen so kompetenten und tatkräftigen Förderer zu haben, so Greiling.

Und so überreichte Werner Greiling sein Geschenk an den Neustädter Förderverein für Stadtgeschichte, den druckfrischen 22. Band der Reihe mit dem Titel „Die Neustädter Kalender. Lesestoff und Lebenshilfe im 18. und 19. Jahrhundert“ zum Abschluss der Festveranstaltung auch an den Initiator des Preises, Andreas Lesser.

Schließlich hatte der Förderverein zwei Gründe zum Feiern: Die Preisverleihung – der Preis ist übrigens mit 1000 Euro Preisgeld dotiert – und das zwanzigjährige Bestehen. Gefeiert wurde im Kreise der 26 Mitglieder, der Sponsoren und Förderer, mehrerer Referenten und Autoren sowie der beiden Verleger Felix Weigner und Bernd Rolle, die den Verein so bemerkenswert bei der Buchreihe unterstützten und weiter unterstützen.

Alle Lesser-Preisträger auf einen Blick:

Der Friedrich-Christian-Lesser-Preis wurde seit 2009 bislang sieben Mal verliehen – an folgende Vereine:

  • Verein für Heimatgeschichte Pößneck
  • Vogtländischer Altertumsforschender Verein zu Hohenleuben
  • Sonneberger Museums- und Geschichtsverein
  • Heimat- und Geschichtsverein Merlins Kaltennordheim
  • Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein
  • Eisenacher Geschichtsverein
  • Förderverein für Stadtgeschichte Neustadt an der Orla