
Elende im Landkreis Nordhausen war in der vorreformatorischen Zeit ein überregional bekannter Wallfahrtsort. Das Gnadenbild Unserer Lieben Frau zu Elende besaß Anziehungskraft im gesamten deutschsprachigen Raum. In den Wirren der Reformationszeit, in der auch Elende als Bestandteil der Grafschaft Hohnstein evangelisch wurde, ging die Wallfahrt zugrunde, Wallfahrtskirche und Gnadenbild verfielen der Nichtbeachtung. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gnadenbild und das Wunderbuch, das am Wallfahrtsort geführt wurde, nach Heiligenstadt verschleppt, wo sie sich noch heute befinden. Nunmehr wird in der Schriftenreihe der Historischen Kommission für Thüringen eine Edition des Wunderbuches vorgelegt, die diese wichtige Geschichtsquelle aus den Jahren 1419 – 1517 einem breiten Publikum zugängig macht. Es handelt sich um das älteste deutschsprachige Marienwunderbuch, das sich über die Wirren der Reformation hinweg erhalten hat. Über einen Zeitraum von fast hundert Jahren erstrecken sich die Wundereinträge und die Einträge im Wohltäterbuch, das alle Zuwendungen an die Kirche und die Namen der Stifter enthält.
Die Veröffentlichung wird eingeleitet durch eine kurz geraffte Zusammenfassung von Inhalt und Aussagen des Wunderbuches von Gabriela Signori, eine Wertung des Wohltäterbuches durch Thomas T. Müller sowie einer Analyse der sprachlichen Aussagen des Wunderbuches durch Susanne Wiegand und Frank Reinhold. Dann folgt die eigentliche Edition des Wunderbuches, der Ablässe, des Liber benefactorum (Wohltäterbuch) und des Reliquienverzeichnisses.
In einem Anhang werden die Editionsrichtlinien, ein Verzeichnis der Währungsbegriffe sowie eine Beschreibung der Handschrift geboten. Ein Literatur- und ein Ortsverzeichnis runden den Band ab.
Das Buch ist nicht nur von regionalem Interesse. Der Wallfahrt waren ob ihrer großen Anziehungskraft Adel und Bürgertum auch aus dem Harzraum wohl geneigt. So finden sich im Wohltäterbuch sowohl die Süd- und Nordharzer Grafengeschlechter deren von Hohnstein, von Stolberg, von Wernigerode, Regenstein oder Mansfeld wie auch Bürger aus Halberstadt, Osterode/Harz ,Wernigerode oder Northeim verewigt, um nur einige zu nennen.
Auch in dem Verzeichnis der in ihren Bitten an die Muttergottes von Elende Erhörten finden sich viele Bewohner von Harzorten oder aus dem näheren Harzumfeld.
Mit der Veröffentlichung wird eine wichtige Quelle vorreformatorischer Frömmigkeit und religiösen Brauchtums für den Nordthüringer und den Harzraum vorgelegt. Es bleibt zu hoffen, dass diese Quellenpublikation Anregung für die Erforschung der Geschichte der Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau zu Elende gibt, die in der vorreformatorischen Zeit für unseren Raum von großer Bedeutung war. Davon zeugen nicht nur die hier unberücksichtigten vielfältigen Legate an die Wallfahrtskirche in Testamenten von Bürgern der norddeutschen Hansestädte, sondern auch die Funde von Pilgerzeichen dieses Wallfahrtsortes weit über das nähere Umfeld des Ortes Elende und deren Verwendung als Zierart für Glocken.
Die Quellenpublikation verdient es auch von den Harzfreunden und Harzforschern zur Kenntnis genommen zu werden.
Paul Lauerwald