Waisenstraße 4 "Uhu"

Waisenstraße 4 [Haus "Uhu"] vorm. Waisenhausgasse No. 510 (1804), 502 (1824), Baujahr nach dem letzten großen Stadtbrand 1712 um 1730.

Haupthaus ursprünglichzweigeschossig mit einem Mansarddach, westliches Seitengebäude Werkstatt, das kleinere östliche Seitengebäude Waschhaus, in Richtung Bäckerstraße an der nördlichen Grenze ein dreistöckiges Magazingebäude

Zur Straße hin zeigt dieses Gebäude eine für die Umgebung recht moderne Fassade. Doch das Weinhaus befindet sich in sehr alten Räumlichkeiten. Seit 1885, vermutlich aber schon vorher, bestehen an dieser stelle Lokale mit unterschiedlichen Namen wie z. B. "Zum Erfurter Dombräu" (1885), "Gebirgsrestaurant" (1902), "Reichskrone" (1915) und seit etwa 1926 Weinhaus "Uhu". In jenem Jahr inserierte man: "Die führende Tanzdiele. Täglich ab 20 Uhr dezenter Dielen-Betrieb, sonntags 16-18 Uhr Tanztee, montags bis freitags ab 20 Uhr Tanz."

Zur Jahrtausendfeier 1927 erhielt das Lokal innen wie außen ein neues und zeitgenössisches Gewand. Die Tanzfläche und der Innenraum wurden durch einen Ausbau nach dem Hof zu nahezu verdoppelt. Eine Zentralheizung sorgte für zweckmäßige Erwärmung und eine völlig neuartige Pressluft-Be- und Entlüftungsanlage sorgte für fortwährenden Ersatz der verbrauchten Luft. Eine neuartige Beleuchtung wurde geschaffen, ähnlich den heutigen Neonröhren. Ein Springbrunnen, dessen Wasserstrahl in 40 verschiedenen Farben aufleuchtete wurde Installiert.

Nur knapp entging der "Uhu" bei den Bombardements im April 1945 der Vernichtung, die unmittelbar benachbarten Häuser Waisenstraße 1 bis 3 wurden durch Bombentreffer total zerstört. Der "Uhu" überstand die 76% Vernichtung der Stadt mit nur geringen Schäden und nahm schon bald unter Leitung von Frau Louise Zimmermann den Betrieb wieder auf. Viele der älteren Nordhäuser erinnern sich noch mit einem Schmunzeln an Louise. Eine stets adrett gekleidete und mit weiblichen Vorzügen ausgestattete Dame soll sie gewesen sein…

Louise Zimmermann richtete nach dem Krieg eine Bar ein. Eine kleine Kapelle spielte drei mal wöchentlich zum Tanz. Zum Wochenende mussten Plätze vorbestellt werden. Seit dem ist der Name des Hauses aus dem Gedächtnis der Nordhäuser Bevölkerung nicht mehr wegzudenken.

Ab 1958 übernahm die HO den Betrieb. Aber 1976 musste man für immer wegen zu großer Baufälligkeit des Gebäudes schließen. Nach wenigen Jahren des Leerstandes zog 1982 bis 1989 in die Räume des einstigen Lokales eine Annahmestelle für Sekundärrohstoffe. Nach den Wendewirren stand das Gebäude bis 1996 völlig leer. Erst 1996 wurde das völlig verwahrloste Gebäude umfangreich saniert und dazu der Gaststättenanbau an der Hofseite abgerissen. Seit 2004 beinden sich die Werbeagentur Grafix 21 und das Atelier Veit in den Geschäftsräumen des einstigen Weinhauses. Die oberen Geschosse dienen wieder als Wohnungen.

 

Historisches

1804 gehört diese Gebäude einem Herrn Hagen "Vor dem Neuenwege" aber seit der 1715/17 Errichtung des gegenüberliegenden Waisenhauses auch Waisenhausgasse genannt.

8.12.1904 "Gebirgsrestaurant" wird in "Reichskrone" umbenannt, am kommenden Samstag ist Neueröffnung1915 gibt es einen Balkenbrand

1919 Bau eines neuen Seitenanbaus für Besitzer Emil Wegfrass (Bes. 1919/20)

Okt. 1921 Bes. Carl Steinhäger lässt den Gastraum umbauen und will die Fassade mit Halbbogenfenstern ausstatten doch dazu kommt es zunächst nicht

19.04.1922 die Bezeichnung "Weinstube zum Uhu" wird eingeführt

Mai 1927 Fassade von Architekturbüro Dr. Ing. Sohrmann und Dipl Ing. Meyer, Rübsam & Schmidt, Bildhauerei und Stuckgeschäft Nordhausen zur Jahrtausendfeier fertig

1944 kehren überwiegend Wehrmachtsangehörige im Uhu ein, Besitzerin Louise Zimmermann geb. Ortlepp

1947 wird Land von Witwe Marta Uhlenhut (Bäckerstraße 20) gekauft 28.9.1947

23.4.1952 Land von Uhlenhut erworben

1961 Uhu noch in Betrieb mit Louise Zimmermann

1971 zerstörte ein Brand das gesamte Dachgeschoss nach der Straßenseite

1973 Gaststätte "Discotreff" eröffnet

1976 Ausbau der Bar

1977/78 Besitzer Dieter und Jutta Großmann

Mai 1978 noch als Gaststätte "Discotreff" in Betrieb

1977 Gaststätte wegen Baumängel geschlossen

16.08.1995 Bauantrag der Toni Immobilien Dr. Kraft KG zur Sanierung des Gebäudes

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Restaurateur Emil Weg….. und Ehefrau Eingetragen am 19.07.1919

Die Ehefrau des Kaufmanns Karl Steinhagen Eingetragen am 10.08.1921

Die Ehefrau des Hoteliers Willy Zimmermann Hotelpächterin Louise Zimmermann Eingetragen am 13.01.1943

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1866 wird Tischlermeister Frankenberg Eigentümer, Hausnummer 502, Aufstockung des Hauptgebäudes, 50° geneigtes Satteldach, jetzt ein Laden im Erdgeschoss,

1885 Umbau der Erdgeschossflächen von Haupthaus, Seitengebäude und Magazin in eine Gaststätte,

1891 Saal des Hintergebäudes weiter ausgebaut und Teil der Gaststätte, im Obergeschoss des Magazingebäudes wird für eine Möbelausstellung genutzt,

1897 Jacob Heise, eine Trennwand wird im Vordergebäude entfernt, um die Gaststube zu vergrößern,

1899 Gustav Lissmann, Küche wird vom Haupthaus in das Seitengebäude verlegt,

1900 St. Georgen-Actien-Brauerei, Sangerhausen,

1904 Die Gaststätte heißt jetzt "Gebirgsrestaurant", ein etwas eigenwilliger Name an diesem Standort,

1919 Emil Wegfraß,

1921 Steinhagen,

1923 "Weinhaus Uhu", anschließend umfangreiche Umbauten,

1944 durch Erbschaft Luise Zimmermann,

1971 Brand im Dachgeschoss, Wiederaufbau mit geringerer Dachneigung, die Wohnungen in den Obergeschossen bleiben leer,

1973 "Discotreff",

1977 Schließung der Gaststätte wegen baulicher Mängel,

1995 Erwerb durch die TONI IMMOBILIEN Dr. Krafft KG, München, von den Eheleuten Dieter und Uta Großmann,

2000 Ausgliederung in die Objekt Waisenstraße Dr. Krafft KG, München,

2001 Schenkung an die Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung, München

Volksmund

Dr Uhu in dr Waisenschtroßen

Frieher, do hottn me in Hordhusen dn Uhu. De junken Haselnuss-Bärsch’chens – awer au ohle – laatschten do hän, um sich ze amesiere, oder wänn se wullten, au mohl was ze ärläwen.

No ja, me kann’s jo värschtehe, worimb soll me glich ‚ne Kuh kaufe, wänn me nur emol än Glas Mellich trinke will.

Als Luise Zimmermann noch dissen Etablissemangk värschtand, do klingelte bie sie in dar Wohnung äwwern Lokale, vormittagks so bie zehne rim de Quasselschtrippen. Luise lagk noch in’n Trahne in Bette un fauchte in de Muschel rin: "Was äss’n los, me kann jo noch nich emol mehr schloafe." Do saate einer mät ’ner versoffenen Schtimme: "Iche wullte blos äbent mol fra’a, wannehr se dä Laden wädder uffmachen." "Nachmittagks um viere", saa’te Luischen un pennte witter.

Um zwöllefe klingelts Telefong wädder, un där sellewige Kärrel fraate nochemol, wannehr’s Lokal uffgemacht wärd. "Ich ha’e doch schunt vorher gesaa’t – um viere." Awer um zweie rief dr Kaerrel ahn unn fraate dasselewigte. Do gingLuise awer nune doch de Galle ins Hemmed: "Iche ha’ es nune zweiemohl gesaa’t: Um viere, awer wänn se jetzt schunt duhne sän, do loosse iche Se erscht gornich rin!" Do saa’te dran’n Telefong: "Iche will jo gornich rin – ich will ruhs!"

Äwwerliefert

uhsgegraben von Wolfgang Reichardt

Eigentümer

1790: Johanne Justine Sophie Hagen, geb. Barchin (Barche), Ehefrau des Gerichtsboten August Gottlieb Hagen. Sie ist alleinige Erbin nach ihrem Vaters Johann Thomas Barche. 1819 wird der Wert des Grundstücks mit 1.289 Taler geschätzt.

1804 Herrn Hagen "Vor dem Neuenwege" aber seit der 1715/17 Errichtung des gegenüberliegenden Waisenhauses auch Waisenhausgasse genannt.

1848: August Hagen, pensionierter Oberlandesgerichtsbote als Witwer der Johanne Justine Sophie, geb. Barche sowie die Kinder aus erster Ehe der Johanne Justine Sophie, geb. Barche.

a)      Marie Sophie Engelke, geb. Petermann

b)      Johann Friedrich Wilhelm Petermann, Bauer

Kinder aus zweiter Ehe der Johanne Justine Sophie, geb. Barche

c)      Johann Gottfried Wilhelm Hagen

d)      Kinder der verst. Auguste Elisabeth Riemann, geb. Hagen: Carl August, Albert, Carl Otto, und Auguste Louise Riemann

e)      Johanne Marie Henriette Peter, geb. Hagen

f)        Johanne Christiane Elisabeth Diemart, geb. Hagen

g)      Auguste Eckebrecht, geb. Hagen

h)      Carl Gottlieb Hagen – dieser veräußerte seinen Anteil für 100 Taler bereits lt. Eintragung vom 04.07.1847 an den Buchhalter Hermann Schottlaender

i)        August Friedrich Hagen, Grenzaufseher in Heiligenstadt – dieser veräußerte seinen Anteil für 60 Taler preußisch Courant lt. Eintragung 10.12.1849 an den Bankier H.C. Oppenheimer

1851 kauft Ehrenfried Eckebrecht, Schuhmachermeister, verheiratet mit Auguste, geb. Hagen (siehe voriger Eintrag „g“) dem Bankier Oppenheimer und dem vormaligen Buchhalter, jetzt Kaufmann Schottländer (siehe „h“ u. „i“) deren Anteile für insgesamt 202 Taler 12 Groschen ab

1852 Eduard Franckenberg, Tischlermeister. Er kauft das Haus für 2.225 Taler preußisch Courant lt. Eintragung vom 11.12.1852 vom Ehepaar Schuhmachermeister Ehrenfried Eckebrecht u. Augusta, geb. Hagen ab, die zuvor durch innerfamiliäre Versteigerung (Februar-April 1852) für 1.912 Taler preußisch Courant alleinige Besitzer der Immobilie geworden waren

1880 Robert Frankenberg, Tischlermeister  ¾ Anteil und Anna, die Witwe des Eduard Frankenberg  ¼ Anteil (Mutter/Witwe und Sohn erhalten das Haus auf dem Erbweg lt. Erblegitimationsattest vom 27.05.1871; Eintrag 11.05.1880).

1885 Robert Frankenberg, Tischlermeister, Alleineigentümer auf dem Erbweg lt. Erbbescheinigung vom 30.10.1884

1891 Geschwister Maria (geb. 12.09.1878) und Eduard (geb. 20.01.1882) Frankenberg, auf dem Erbweg lt. väterl. Testament vom 09./10.02.1891; eröffnet 18.01.1892 u. eingetragen 29.10.1892

1897: (Helmcke & Co. Nordhäuser Ziegelwerke)

1897: (Otto Stolberg Kornbanntwein-Brennerei, Inhaber Jacob Heise, gegr. 1833, Jacob Heise Vormund der Frankenbergschen Kinder)

1898: (Frau Bürgermeister Lürder in Schleburg, Verwalter des Grundstücks Frankenbergs Erben)

1899 Gustav Liessmann, Gastwirt

1900 St. Georgen Aktienbrauerei AG in Sangerhausen, auf Ersuchen des Zwangsversteigerungsrichters

1905: (Gastwirt Fr. Wartmann)

1907: (Hermann Stenner, Gastwirt)

1919 Emil Wegfrass, Gastwirt, und seine Ehefrau Elisabeth, geb. Reichert in Nordhausen je zur Hälfte, Nutzungswert lt. Gebäudesteuerrollenanhangs für 1920: 2.174,00 Mark

1921: Eugenia Steinhagen, geb. Hawecker, Ehefrau des Kaufmanns Karl Steinhagen aus Bevensen, Nutzungswert lt. Gebäudesteuerrollenanhangs für 1922: 2.189,00 Mark, Nutzungswert 1923 – 2.048,00 Mark, Nutzungswert 1925: 2.468,00 Mark; Nutzungswert berichtigt für 1933

1943: Louise Zimmermann, geb. Ortlepp, Hotelpächterin und Ehefrau des Hoteliers Willy Zimmermann in Nordhausen, Auflassung 1941

1972: Karl Kiehne, Rentner (geb. 14.04.1897), Erbscheins vom 20.10.1972

1973: Dieter Großmann, Gastwirt (geb. 15.04.1937) und dessen Ehefrau Uta, geb. Hirschfeld (geb. 15.07.1942) in Nordhausen und ehelicher Vermögensgemeinschaft, Auflassung 1972

1995: Kauf durch die TONI IMMOBILIEN Dr. Krafft KG, München, für DM 170.000

2000: Schenkung an die Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung.