Leichenpredigten

Bekannt ist aus seinem eigenen Schriftenverzeichnis die Leichenpredigt auf seine Schwiegermutter Johanna Elisabeth Riemann aus dem Jahr 1743. Sie stammte aus der bekannten Theologenfamilie Olearius. Nachzuweisen war diese Leichenpredigt aber bislang nicht.

Auch wenn die beiden Pfarreien von Lesser in Nordhausen, nämlich Frauenberg und Jacobi, als Vorstadtgemeinden nicht die reichsten Bürger der Stadt in ihrem Pfarrsprengel aufwiesen, so ist aber aus Kirchenbucheintragungen bekannt, wenn Leichenpredigten bei der Beerdigung gehalten worden sind. Bislang konnte der Verfasser aber keine gedruckte Leichenpredigt von Lesser nachweisen.

Andererseits ist durch eine handschriftliche Leichenpredigtensammlung aus Stolberg belegt, daß auch bei der Beerdigung einfacher Leute Leichenpredigten gehalten wurden. Dies müßte auch für das nahegelegene, größere Nordhausen der Fall sein. In den kirchlichen Archiven und im Stadtarchiv sind aber solche handschriftlichen Aufzeichnungen von Leichenpredigten nicht vorhanden bzw. nicht mehr vorhanden.

Das Interesse von Lesser an aktuellen Leichenpredigten, daß heißt von gerade Verstorbenen, ergibt sich aus seinem Briefen vom 20. Februar und 29. November 1750 an Geheimrat Gottlieb Adolph Heinrich Heidenreich in Weimar. Er bittet um die Zusendung der Leichenpredigt der Geheimrätin als auch der noch nicht im Druck befindlichen Leichenpredigt der Mutter Heidenreichs. Die ihm übersandte Leichenpredigt war in Altpapier eingewickelt, das wiederum einen Bogen der Leichenpredigt des Kreisamtmanns Meurer enthielt. Da dies ein verwandter Heidenreichs ist, bittet er um die vollständige Leichenpredigt, die bestimmt bei Heidenreich mehrfach vorhanden sei {Rein 1993, S. 144, 147}.

Aus diesen Briefen ergibt sich aber auch das generelle Interesse von Lesser an Leichenpredigten. Aus diesen Personalschriften lassen sich für den Historiker interessante Daten aus dem Umkreis Verstorbener gewinnen, die neben dem Leben des Verstorbenen zusätzlich beschrieben werden und die dessen Umfeld persönlich kannten oder die Angaben von Familienangehörigen bekommen hatten.