Ereignisbeschreibungen

1728: Reparatur der Nikolai-Kirche in Nordhausen (11)
Im Gegensatz zum Titel handelt Lesser zwar auf zwei Seiten die Reparatur der Kirche ab, aber die Kurzfassung einer Beschreibung der Nordhäuser Bürgermeister von 1318-1729 des Quartus Johann Christoph Ludewig (1715-1751) (Teil 2, S. 595-600) würde man in dieser Schrift nicht erwarten. Er ist bislang nicht als Autor bekannt gewesen. Auch die lokalgeschichtlichen Schriften seines gleichnamigen Sohnes (1720-1795), der 1757 Pfarrer an der Altendorfer Kirche wurde, vor allem 1759 über seine Kirche, sind nicht mehr nachzuweisen {Leopold S. 227}.
Baugeschichtlich interessant ist die genaue Beschreibung von Altar, Ratsstuhl, Beichtstuhl, Heiland, Leuchter, Orgel, Taufstein und Kanzel. Bei der Kanzelreparatur wurde eine ausführliche, lateinische Schrift zur Kanzelerrichtung 1585 gefunden, die Lesser übersetzt bringt. 1727 wird eine neue Gedenkschrift mit allen Pfarrern und Bürgermeistern dieses Jahres eingemauert (S. 530ff.), anschließend folgt eine weitere Beschreibung der Kirche, insbesondere der Kirchenstühle (Teil 2, S. 593-595).

1732: Salzburger Emigranten (18)
1732 ziehen rund 900 aus dem Fürstbistum Salzburg vertriebene Protestanten auf ihrem Weg nach Preußen durch Nordhausen. Sie werden großherzig aufgenommen. Es wird die Wegstrecke nach Nordhausen beschrieben. Ansonsten werden sieben verschiedene Predigten abgedruckt, eine von Lesser beim Auszug aus dem Altentor. Am 13.9. kamen weitere 1.869 Emigranten. Auch diese werden diesmal bei guten Wetter vor dem Siechentor empfangen.

1740: Trauer der Stadt Nordhausen um Kaiser Karl VI. (50)

1743: Sein 8. Waisenhaus-Vortrag, 56. insgesamt (79)
Die Vorträge dienen „als ein Tage-Buch unserer Zeiten, woraus auch die Nachkommen noch werden sehen können, was etwa merckwerdiges in den Mauern unserer Stadt geschehen ist,“ so daß ihre Einordnung unter unserer Rubrik Ereignisbeschreibungen gerechtfertigt ist (S. 16). Im 50. Vortrag bringt er die aktuellen Preise für zwölf verschiedene Nahrungsmittel (S. 11f.) im 51. sogar 26 verschiedene Preisangaben (S. 7f.). Lesser bezeichnet dies als seinen letzten Vortrag, er hatte die Nr. 49 bis 56 bearbeitet, weil er weder für diese Artikel noch für seine Tätigkeit als Verwalter des Waisenhauses bezahlt würde. Die Kritiker werfen den Verwaltern vor, mit diesen Vorträgen den Waisen Gelder zu entziehen. Er verweist auf die Öffentlichkeitswirkung durch die Nennung der Spender und ihrer Spenden auf andere. Er sieht die Vorträge als „Rechenschafts-Tafeln“ (S. 30).
Zusätzlich führt er die Titel der Vorreden bisheriger Waisenhausvorträge seiner Kollegen Johann Heinrich Kindervater, Johann Balthasar Reinhardt, Franz Ernst Strecker und von ihm selber auf (S. 13-15). Aus den Titeln seiner Vorreden, z.B. „Die Nahrung der Frommen in der Theuerung“ oder „Das entsetzliche Kriegs-Unglück“, ergibt sich der zeitgeschichtliche Inhalt. Der dritte Teil der Waisenhausvorträge sind die Vorträge selber, die das Leben wichtiger Nordhäuser beschreiben, er stellt auch eine Bürgermeistersgattin vor. Auch hierzu gibt er wieder ein Verzeichnis an (S. 18-21).
Lesser verteidigt den Aufwand für das Waisenhaus, da manches Bettelkind nicht vor den Türen der Einwohner liegt, allerhand Mutwillen zeigt, eine unnütze Last der Erden und zuletzt eine Bemühung des Henkers wird (S. 27). Es werden zweimal täglich Betstunden gehalten, Sonntags eine Erweckungsstunde, die Jungen werden auf Kosten des Waisenhauses aufgedungen und losgesprochen, Jungen bei der Wanderschaft und Mädchen beim Dienstbeginn werden neu eingekleidet. Damit verhindern sie die Ausnutzung der Waisen zur reinen Kinderarbeit. Ihrer Bildung dient ein Waisenhauslehrer (S. 27ff.).

1744: Historische Nachricht von der Jacobi-Kirche (82)
nicht bearbeitet

1745: Krönung Kaiser Franz I. (85)
Er beschreibt die politische Situation in Europa vor der Wahl Franz I. Das Exemplar dieser Schirft im Nordhäuser Stadtarchiv umfaßt nicht die Kantate des Nordhäuser Rektors Johann Eustachius Goldhagen.

1745: Fortsetzung der historischen Nachricht von Jacobi (83)
nicht bearbeitet

1746: Nachricht von der gegenwärtigen Einrichtung des Nordhäuser Gymnasiums (100)
Es handelt sich nicht um einen Artikel {wie Rein 1997, S. 30 meint}, sondern um einen Hinweis auf diese Schrift mit einem Bogen Umfang in Quart. Sie konnte nicht nachgewiesen werden.

1748: Die Genesung nach einem Beinbruch von Gerlach Adolph v. Münchhausen (1688-1770) könglich-großbritannischer und kurfürstlich-braunschweig-lüneburgischer Geheimrat, Etatminister etc. (117)
Lesser hatte Münchhausen bei dessen Einzug zusammen mit König Georg in Göttingen gesehen. Er duzt seinen Gönner Münchhausen, der immerhin 1765 Premierminister von Hannover wurde.