Chroniken

Chronik des Klosters Himmelgarten

1723 veröffentlicht Johann Georg Leuckfeld (1668-1726), der in Heringen bei Nordhausen geboren wurde, ein Manuskript des Professors Heinrich Meibom d.Ä. (1555-1625) über das Kloster Marienberg bei Helmstedt. Der zweite und dritte Teil dieses Buches soll jeweils eine Chronik Leuckfelds des Augustinerklosters Himmelgarten und der Kirche zu Rode bei Nordhausen sein. Tatsächlich handelt es sich aber um ein Werk Lessers, wie schon der Rektor des Gymnasiums in Quedlinburg Tobias Eckard in der Lebensbeschreibung von Leuckfeld mitgeteilt hat. Als Grund gibt Lesser nur „damaliger gewisser Umstände wegen“ an {Eckard S. 49}.

Drei Jahre vorher wurde dieses Buch ohne die Ergänzungen über Himmelgarten und Rode aber dafür mit einer Lebensbeschreibung Meiboms in Magdeburg und Leipzig bei Seidel gedruckt und umfaßte lediglich 108 statt 156 Seiten.

Nach dem 1720 nur mit einer Seite Umfang kurzen Lebenslauf von Johann Wilhelm Uberfeld ist die Chronik von Himmelgarten, östlich von Nordhausen gelegen, das erste Buch von Lesser, auch wenn es mit 30 Seiten vom Umfang her nicht vergleichbar ist mit seinen Hauptwerken. Leuckfelds Verdienst sind eine ganze Reihe von Chroniken eingegangener Klöster, aber er war auch Biograph, so auch von Meibom, und brachte wie Lesser auch ein numismatisches Werk, nämlich über silbernen Brakteaten, heraus.

Der umfangreiche Urkundenanhang zeigt, daß Lesser mehrere Jahre dieses Material gesammelt haben muß. Seine Beschreibung reicht von der Gründung des Klosters um 1270 über die Flucht der Mönche im Bauernkrieg 1525 bis zur Verpfändung des Klosters durch die Grafen von Stolberg an Nordhausen und die Einlösung 1721 durch die Stadt Nordhausen. Den Streit um den 1339 erfolgten Bau einer Kirche der Mönche neben dem Töpfertor in Nordhausen, obwohl sie nur 4 Fuß hoch bauen durften, schildert Lesser ausführlich.

1750 in seinem Schreiben an die Sammler berichtet Lesser von einem Urkundentausch 1722 zwischen ihm und Leuckfeld. Es handelt sich um die Urkunden von 1248 über den Tausch der ilfeldischen Güter zu Rode gegen solche in Balderode mit dem Frauenbergkloster in Nordhausen {Rein Nr. 140}.

Chronik der Kirche zu Rode

Hierbei handelt es sich eher um wie aus dem genauen Titel ersichtlich um eine historische Nachricht dieser Kirche zu Rode, auch Oberrode genannt, bei der Roderbrücke bei Steinbrücken südlich von Nordhausen. Nicht zu verwechseln ist dieser Ort mit Rode bei Heringen bzw. Rodes zwischen Urbach und Tottleberode. Außer den Besitz- bzw. Patronatsrechten an dieser Kirche berichtet Lesser nur wenig, die letzte Nachricht von dieser Kirche stammt von 1435.

Chronik von Nordhausen

Bei seiner Insectotheologie aus 1738 wissen wir durch die Veröffentlichung seines Briefes an Albert Seba in Amsterdam 1735, dass die Insectotheologie damals schon druckfertig vorlag {Heineck S. 20}. Er hat also bei diesem Buch mindestens drei Jahre nach einem Verleger gesucht. Da noch längere Bemühungen bei dem Druck der Chronik zur Geschichte der Grafschaft Hohnstein durch Heidenreich bekannt sind, die dann schließlich erst 250 Jahre später gedruckt wurde, dürfte er uns heute unbekannte, druckfertige Manuskripte gehabt haben.

Aus dem Vertrag zwischen Lesser und dem Nordhäuser Verleger Groß (siehe Anlage) aus dem Jahr 1725 ergibt sich, daß Lesser schon 15 Jahre vor der Herausgabe dieser Chronik dieses Buch geplant hat. Ein weiterer Vertrag aus 1737 liegt nur noch drei Jahre vor dem tatsächlichen Druck dieses Werkes, so daß manche, uns heute unbekannte Schwierigkeiten in diesen 15 Jahren aufgetreten sind. Andererseits zeigt sich damit die langfristige Herausgabeplanung von Lesser. Das Original ist nicht mehr im Archiv des Deutschen Börsenvereins erhalten, es handelt sich wohl um einen Kriegsverlust {Email von Frau Carola Staniek vom 27.5.2002}. Der Vertrag ist im Archiv für Geschichte des Deutschen Buchhandels, 1878, S. 195f., abgedruckt, weil es sich um einen der wenigen Verträge aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts handelt.

In einem Brief an Johann Christoph Wolf in Hamburg vom 17.6.1737 fragt er diesen, ob in dessen Briefsammlung Nachrichten zur Geschichte Nordhausen vorhanden wären {Rein 1993, S. 129}. Der Bezug von Hamburg nach Nordhausen ist unwahrscheinlich, aber es zeigt die umfassende Informationssammlung Lessers auch an ungewöhnlicher Stelle.

Aus der Perspektive Nordhausen ist die 1740 erschienene Chronik, verlegt bei Christoph Erhardt in Frankfurt/Main und Leipzig und damit in den beiden Zentren des deutschen Buchhandels, das in Nordhausen bekannteste Werk aus seiner Feder. Neben dieser Auflage und der Kommissionsausgabe bei Groß in Nordhausen, der für die örtliche interessierte Leserschaft wesentlich näher saß als die beiden Großstädte, sind keine weiteren Auflagen bekannt. Da die Auflagenhöhe auch nicht bekannt ist, kann über die Bedeutung dieser Chronik im Vergleich zu Chroniken des 18. Jahrhunderts für anderer Städte keine Aussage getroffen werden.

Der Kupferstich vor dem Titelblatt zeigt ihn vor seinen Büchern. Interessanterweise trägt dieser Kupferstich die Jahresangabe 1743, obwohl das Buch bereits 1740 erschienen ist. Es könnte sich also um einen späteren Druck mit ansonsten gleichen Druckplatten gehandelt haben. Dieser Kupferstich ist auch für die 2. oder faktisch dritte Auflage der Testaceotheologia verwendet worden, die 1770 in Leipzig und Frankfurt herausgegeben wurde.

Die Aussage von Heineck, daß Lesser bei der Erarbeitung der Chronik handschriftliche Urkunden nur in geringer Zahl zur Verfügung standen {Heineck S. 33}, ist unter dem Aspekt des Bestandes des Nordhäuser Archivs nicht verständlich, wenn man davon ausgeht, daß Lesser dazu Zugang hatte. Aus dem Brief von Lesser an Christoph August Heumann (-1764) am 22.8.1727 ergibt sich, dass er aus den über 14 Quartbände verteilten rund 12.000 Seiten des Bürgermeisters Fromann Urkundenabschriften vorgenommen hat.

In Band 6 von Fromann befindet sich eine teilweise chronikalische Auflistung verschiedener Ereignisse in Nordhausen, wobei er diese halbseitig aufgeschrieben hat, um sie weiter ergänzen zu können. Dies macht den Eindruck einer Abschrift aus anderer Quelle, ohne daß diese bekannt wäre {Fromann}.

In seiner Schrift von 1728 über die Reparatur der Nikolai-Kirche in Nordhausen (11) gibt er eine Kurzfassung einer Beschreibung der Nordhäuser Bürgermeister von 1318-1729 von Johann Christoph Ludewig (1715-1751), die heute nicht mehr vorliegt und bislang auch nicht bekannt war (§ 6 S. 595-600).

Es sind also allein durch diese Zufallsfunde Quellen für die Chronik von Nordhausen bekannt, die Grundlage von seiner Arbeit waren. Dies sind aber nur zwei von einer Vielzahl, die vielleicht aus Briefen mit seinen zahlreichen Korrespondenzpartnern noch ergänzt werden können.

Geht man mit Heineck aber andererseits davon aus, daß ihm der Zugang zum Nordhäuser Archiv nicht offen stand, dann ist andererseits die Genauigkeit vieler Angaben, allein die Beschreibungen und Auflistung der Personen, nicht erklärlich.

1731 heiratete Lesser Christiane Elisabeth Riemann (1696-1770), die dritte Tochter des preußischen Schultheißen und Advokaten Johann Günther Riemann (err.1658-1721). Den Brautleuten widmeten Johann Martin Riedel und Albert Ritter (1682-1759) aus Ilfeld ein Hochzeitsgedicht {Ritter}.

Sein Schwager Chilian Volkmar (1687-1763) begründete die Reihe der Bürgermeister aus der Familie Riemann. Er bemühte sich nach Beendigung der preußischen Besetzung die Rechte der freien Reichsstadt zu sichern und zu vergrößern. Hierzu dienten auch seine Angriffe auf das von der Stadt Nordhausen umschlossene Reichsstift S.Crucis, das die Reformation überdauert hatte {Wand S. 92}.

Das politische Problem des Umfanges und der Rechte am Schultheißenamtes zeigt sich in Lessers Brief an Heidenreich vom 13. Juni 1748 {Rein 1993, S. 140}. Der Rat hält die Urkunden geheim, warum dies aber der Fall ist, behauptet Lesser nicht zu wissen, was kaum glaubwürdig ist, denn der Streit mit Preußen ist ihm wohlbekannt. 1751/52 teilt Lesser Heidenreich mit, er besitze zwei Urkunden über das Schultheißenamt, die er Heidenreich anbietet. Tatsächlich schickt er bald darauf vier Urkunden bezüglich der Vogtei und das Schultheißenamt an Heidenreich {Rein 1993, S. 149}.

1735 brach der Nordhäuser Gesangbuchstreit aus, als Lesser mit Tebel eine geänderte Zusammenstellung von Liedern als offizielles Gesangbuch der Stadt veröffentlichte {de Boor}. Nachdem auch sein Schwager Riemann in diesen Streit eingriff, hatte wohl niemand Interesse, bei der Chronik ein erneutes Streitthema mit weitreichenden politischen Folgen vom Zaun zu brechen.

Vierzig Jahre vor Lessers Chronik wurde das Manuskript des Vierherrn Bohne vom Magistrat beschlagnahmt, es wurde lediglich der erste Teil 1701 gedruckt. Heineck beschreibt diese Chronik 1892 als selten, d.h. aber, es hat zahlreiche Exemplare gegeben, wenn es knapp 200 Jahre später noch einige gab.

Bohne bringt auf jeder Doppelseite die Kapitalnummer und die Überschrift, was die Orientierung erleichtert sowie jeweils Stichworte am Rand neben den Absätzen. Sein erstes Kapitel über die Lage der Stadt geht ausführlich auf die umgebenden Gebiete ein, während Lesser dies nur sehr kurz auf zwei Seiten abhandelt. Bohne beginnt seine Beschreibung von Nordhausen selber erst auf Seite 31 mit einer Aufzählung der sechs Stadtore. Das Töpfertor als sechstes wird dann erst auf Seite 53 behandelt. Aber er beschreibt gleich wieder die Umgebung und zwar die Schnabelburg hinter dem Dorf Salza und das Maienfest, die Merwigslinde und die Wasserversorgung der Stadt. Auf den Seiten 35 bis 42 folgt ein Gedicht des Theologiestudenten J.B. Thiemroth. 1 ½ Seiten widmet Bohne dem Scheibenschießen (S. 51ff.), während Lesser erst auf S. 634 3 Zeilen dafür erübrigt. Trotzdem erwähnt Bohne nicht die Bittschrift einiger Bürger aus dem Jahr 1667, das Scheibenschießen wieder einzuführen, einer der Antragsteller ist Lessers Großvater Johannes Lesser {Fromann Bd. V, S. 675}. Aus diesem kurzen Vergleich ergibt sich, daß Lessers Chronik keineswegs eine Fortführung derjenigen von Bohne darstellt, wie die von Förstemann 1860 auf Lessers von 1740 aufbaut.

„Ich würde auch noch mehr Nachrichten davon [=Nordhausen] gegeben haben, wenn meine Feder Freyheit gehabt hätte, nach meinem Willen zu schreiben, und wenn nicht zuweilen Umstände mir einen Siegel auf den Mund gedrückt“ {Laurentius Süsse, Vorspann S. 3}.

Brief vom 31. März 1748 an den Geheimrat Heinrich Heidenreich in Weimar mit dem Eingeständnis seiner Autorenschaft der Nordhäuser Chronik {Rein 1993, S. 139}.

Im Vergleich zu späteren Chroniken fällt auf, daß Lesser sich mit anderen Autoren zum Thema der Stadtgründung auseinandersetzt {Lesser 1740, S. 7ff.}. Er verweist im Text auf Quellen, es gibt aber kein Literaturverzeichnis. Das Inhaltsverzeichnisses gegliedert sich in 60 Überschriften und hat auch im Gegensatz zu Bohne eine verständliche Struktur. Dagegen fehlen sowohl ein Personen- als auch Sachregister. Im Gegensatz zur Nordhäuser Stadtchronik von 1927 gibt Lesser alle Personen mit Vornamen an, was die Identifikation erleichtert {Magistrat}.

Chronik von Hohnstein

An diesem Thema arbeitet neben Lesser auch der Weimarer Hofrat G. A. Heidenreich sowie der Ilfelder Prorektor Ritter {Näheres zu Heidenreich siehe Kuhlbrodt, 1993, S 74f.}. Im Brief vom 25. September 1748 versichert Lesser Heidenreich, dass er keine Veröffentlichung plane, alles andere seien üble Verleumdungen. Wer solches behauptet muß entweder bösartig sein, Lesser und Heidenreich gegeneinander aufzuhetzen oder aber er bezieht sich auf vergangene Dinge {Rein 1993, S. 141}. Es hat tatsächlich bis 1997 gedauert, bis schließlich das entgegen seinen Zusicherungen bereits vorhandene Manuskript gedruckt wurde {Lesser 1997}.

Lesser bedauert in seinem Brief vom 30. Juni 1749 an Heidenreich, dass wegen der hohen Kosten des Drucks von Kupferstichen die Verleger „lieber unnütze Blätter, die auch bey gemeynen Leuten abgehen“ drucken, „als dergleichen nützliche Werke. Aus diesem Grund sei die Herausgabe von Büchern über ausgestorbene Familie schwierig {Rein !))§; S. 143}.

Bei dem Herausgeber der Hamburgischen Berichte als auch beim Kammerpräsidenten v. Ribbeck wollte Lesser sich wegen eines Herausgebers für die Hohnsteinische Chronik bemühen {Rein 1993, S. 144}. Ribbeck hat sich wiederum an den Verleger Schwan in Quedlinburg gewandt, ohne aber den Verfasser Heidenreich zu nennen oder den Umfang des Werkes {29.3.1750 Ribbeck an Lesser; Rein 1993, S. 146}. Ribbeck muß sich aber nochmals an Lesser gewandt haben, denn am 20. Juni 1750 berichtet Lesser Heidenreich von der Absage Schwans {Rein 1993, S. 147}.

Ritter als möglicher dritter Verfasser einer Chronik von Hohnstein wird von Lesser in seiner Arbeitsqualität nicht hoch eingeschätzt: „Herr Ritter ist die Bequemlichkeit selbst im Briefschreiben, dahero ist es kein Wunder, wenn er wenig hält, obgleich viel verspricht“ {Rein 1993, S. 143}. Da Ritter aber andererseits Lesser zu seiner zweite Heirat 1731 noch ein Hochzeitsgedicht gewidmet hat, muß das Verhältnis früher besser gewesen sein {Ritter}.

Lesser berichtet am 29. November 1750 an Heidenreich, dass er das Manuskript von Heidenreichs Hohnsteinischen Geschichte nach Hamburg geschickt habe. Er weiß aber nicht, warum keine Bekanntmachung (=Rezension?) erfolgt. Aber am 9. Februar 1751 kann er von der erfolgten Bekanntmachung in der Ausgabe Nr. 11, S. 11 der Hamburger Berichte Mitteilung machen {Rein 1993, S. 148}.

Die Korrespondenz mit Heidenreich liegt nur bruchstückhaft vor. Daher läßt sich nicht erklären, warum Lesser eine, wenn auch nur gut hundert Jahre umfassende, Geschichte der Grafschaft Hohnstein auf 21 Seiten veröffentlicht, während er vorher immer erklärt hat, keine Chronik veröffentlichen zu wollen, auch wenn diese nur sehr kurz ist:

1752: Grafschaft Hohnstein unter zwei Herzögen v. Braunschweig (152)
Er beschreibt die Grafschaft Hohnstein zu einer Zeit, als sie zum Fürstentum Halberstadt gehörte und nur aus den beiden Herrschaften Lohra und Klettenberg bestand.

- bis 1712 gehörte noch das Amt Hohnstein dazu,
- die Grafschaft Lauterberg fiel an die Herzöge von Braunschweig und dann an die Kurfürsten von Hannover.
- Schloß und Amt Bodenstein gingen an Kurmainz,
- das Kloster Walckenried an Braunschweig-Wolfenbüttel,
- das Gericht Allerberg, Bockelhagen, Silkerode und Zwinge,
- das Haus und Amt Großbodungen,
- Ottenrode

Lesser beschreibt die Zeit zwischen der Besetzung der beiden Herrschaften durch Herzog Heinrich Julius v. Braunschweig 1593 und der Huldigung der Schwarzburger 1634.

Chronik des Klosters Kaltenborn

Lesser besitzt Urkunden des Klosters Kaltenborn, wie sich aus einem Brief von ihm an Heidenreich vom 29. November 1750 entnehmen läßt. Heidenreich hat ihn wohl zur Veröffentlichung einer Chronik gedrängt, denn Lesser antwortet, keine Zeit hierfür zu haben, aber er wolle Heidenreich gerne seine Urkunden zur Verfügung stellen. Zu seinem Brief vom 8. März 1751 an Heidenreich legt er zwei Urkunden des Klosters bei {Rein 1993, S. 147f.}.

Leuckfeld hat aber bereits 1713 eine Chronik von Kaltenborn veröffentlicht, so daß nicht klar wird, ob Lesser dieses Werk verbessern wollte {Leuckfeld}.