Biographien

Bei den nachfolgenden Biographien wurden die Geburts- und Sterbejahre der behandelten Person aus Lessers Veröffentlichung bzw. aus anderen Quellen ergänzt, um einen Überblick zu erhalten, mit Persönlichkeiten welcher Zeit sich Lesser beschäftigt hat. Aus ihrem Lebenslauf werden nur solche Informationen angeführt, die den Bezug der beschriebenen Person zu Lesser bzw. Nordhausen belegen. Geordnet sind die Biographien nach dem Veröffentlichungsjahr. Die Zahl in Klammern bezieht sich auf die von Rein 1997 veröffentlichte Liste seiner Veröffentlichungen, weil aus Platzgründen die vollen bibliographischen Angaben hier nicht möglich sind:

1720: Johann Wilhelm Uberfeld (ca.1659-1731 (1)
Der gelehrte Kaufmann lebte in Leiden und veröffentlichte vergessene Schriften. Von ihm sind rund 1.000 Briefe überliefert {Jöcher S. 1480}. Ein Standort für dieses erste Buch von Lesser konnte nicht nachgewiesen werden.

1729: Genealogie der Familie Lesser (13)
Anläßlich der Hochzeit seines Bruders Johann Gottlieb stellte Lesser die lebenden und verstorbenen Familienmitglieder zusammen. Aus den Daten ergibt sich, daß er Kontakt auch zu in Berlin und auf Rügen lebenden Cousins und Cousinen hatte.

1730: Laurentius Süsse (ca.1469-1549) (16)
In der Schrift über Nordhausen und die Augsburgische Konfession bringt er auf zwei Seiten Angaben zu diesem ersten Nordhäuser Pfarrer (Rein 1997, Nr. 16, S. 3f.).

1736: Johann Tobias Wagner (um1690-um1735), preußischer Generalfiskal (34)
Dies war ein Sohn des Nordhäuser Knochenhauers Christoph Tobias Wagner (*1660 Nicolai) und der Catharina geb. Riemann (bei Rein falsch mit Wasner). Taufen seines Vaters sind 1693, 1697 und 1700 in Altendorf nachzuweisen, seine aber nicht.

1738: Johann Martin Riedel (1694-1738), Prorektor Ilfeld (45)
Er ist als Kind mit den Eltern von Kindelbrück nach Nordhausen gezogen und heiratete 1736 Maria Magdalena Fromann, die jüngste Tochter des Nordhäuser Bürgermeisters Conrad Fromann (1616-1706). Dessen 14 Quartbände zur Nordhäuser Geschichte waren wiederum eine wichtige Quelle für Lessers Nordhäuser Chronik.

1743: Johann Gohr (1658-1728), zum Protestantismus übergetretener Priester (73)
Der bisherige Pfarrer an Jacobi in Nordhausen, Andreas Mauritius GOHR (1700-1743), war am 1. März 1740 zum Pfarrer an Blasii gewählt worden und Lesser wurde am 4. August 1741 zu seinem Nachfolger an Jacobi bestimmt. Dieser Vorgänger ist ein Sohn des obigen Priesters Johann Gohr {Lesser/Förstemann S. 47, 98; Leopold S. 215f.}.

1745: Justizrat Johann Christian Benemann und seine geplante Geschichte der Gärten (89)
Lesser berichtet in 17 Zeilen in der Altonaischen gelehrten Zeitung 1745, daß der Dresdner Hof- und Justizrat Benemann eine Geschichte der Gärten aus aller Welt veröffentlichen wollte. Geplant war diese mit den Gärten der Römer beginnen zu lassen, alte und neue Gärtner verschiedener Länder zu beschreiben bis schließlich zu den Gärten von Gelehrten. Lesser bedauert die durch den frühen Tod des Autor verhinderte Herausgabe dieses Buches. Von Benemann stammt die Lebensbeschreibung die Maecenas.

1745: Nicolaus Seeländer (1682-1744), Kupferstecher (90)
In seinem Korrespondentenverzeichnis, das sein Sohn herausgab, wird Seeländer nicht aufgeführt, trotzdem bezeichnet Lesser ihn als seinen Freund und wegen dieser Freundschaft hatte er dessen Lebensdaten zusammengetragen. Durch die historisch-numismatischen Arbeiten Seeländern insbesondere zu Braunschweig-Lüneburg wäre er als Briefpartner für Lesser interessant gewesen und ein Freund ohne brieflichen Kontakt wäre eher ungewöhnlich.

1745: Johann Benjamin Huhn (1681-1744), Generalsuperintendent in Gotha (91)
Außer als Besitzer der bedeutendsten privaten Bibliothek in Thüringen gibt es keine Bezüge zu Lesser.

1747: Johannes Thal (1542-1583), Botaniker (105)
Diese Schrift widmete Lesser seinem Bruder Johann Gottlieb zu dessen Ernennung als Leibarzt von Herzog Friedrich Carl von Holstein-Plön.

1747: Peter Bötticher (ca.1526-ca.1586), hohnsteinischer Kanzler (107)
Dieses Büchlein ist bereits 1748 vergriffen, wie Lesser in einem Brief vom 18.7.1748 an Heidenreich mitteilt {Rein 1993, S. 140}.

1747: Martin Bergigerott, Kupferstecher (110)
Ein Standort konnte nicht ermittelt werden.

1748: Heinrich v. Bielen (1535-1584) (112)
Wie das Buch über die Flämischen Rechte 1750 (138) und das Buch über die Herren von Sundhausen 1752 (158) widmet Lesser die 28 Seiten über Heinrich v. Bielen dem schwarzburgischen Kanzler Anthon Friedrich v. Beulwitz. Mit seinem Hinweisen auf zwei gelehrte Familienmitglieder v. Beulwitz und auf den gelehrten, adligen Schwiegersohn Carl Christoph v. Bielen spricht er sein öfters behandeltes Thema an, nämlich daß es Adligen durchaus geziemt, akademische Ehren und sogar promoviert zu sein. Auch seine Zusicherung, weitere Biographien zu veröffentlichen, findet sich mehrfach in verschiedenen seiner Schriften (S. 3f., 11).
Im Lebenslauf findet sich der Hinweis, daß v. Bielen den späteren Prior des Klosters Walckenried Heinrich Eckstorm ein Stipendium gewährt hat (S. 15). Ab der Seite 18 behandelt Lesser die Familie v. Beulwitz.

1748: Dr. med. Christoph Conrad Siekel (1697-1748) (114)
Bislang ist nur eine Rezension bekannt, nicht die Schrift selber. Lesser führt einige von Siekels medizinischen Schriften auf. Dieser ist der Autor des Krankheitsberichtes über Lesser an den Hallenser Medizinprofessor Friedrich Hoffmann (1660-1742), der gleichzeitig ein Freund von Lesser war {Hoffmann S. 270}:
„... daß er an der Hypochondrie, tanquam malo haereditario, lange und öffters laborire, daher er ehemahls vielen Kopffschmerzen, insbesondere die Hemicranie, Turbulenz des Haupts, starcken Schwindel, Ohnmachten, Aufblähungen, und Spannungen der hypochondriorum unterworffen gewesen, und hat er auch noch jetzo davon per intervalla Anstoß, wie er dann auch an einer Trunckenheit der Nase, aus welcher beim Schnieben geronnen schwartz Geblüte kömmt ... Bandbreite

1748: Nachricht vom Leben des Maecenas (121)
Lesser ergänzt Ausführungen über Biographen des Maecenas. Der von den Autoren vergessene Hof- und Justizrat Johann Christian Benemann aus Dresden hat 1744 statt eine Geschichte der Gärten zu schreiben nach einem Besuch des Landgutes des Maecenas anonym dessen Biographie geschrieben. Benemann hat seine Autorenschaft in einem Brief an Lesser bekannt gegeben. Jöcher führt diese Buch von Benemann an. Auch Johann Heinrich Meibom (1590-1655), Sohn des Autors Heinrich Meibom (1555-1625) (siehe unter 9.1.) hat 1653 über Maecenas geschrieben {Meibom}.

1749: Laurentius Süsse (ca.1469-1549), Pfarrer (125)
Diese Schrift widmete Lesser seinem Kollegen Christian Friedrich Wiedhold, Diakon an Petri. „Ich habe aber immer die Meinung geheget, es sey unanständig, in der Erkäntniß der Geschichte auswärtiger Dinge daheim, und einheimischer ein Fremdling zu seyn“ (S.3)

1749: Christian Friedrich Wiedhold (1711-1776), Pfarrer (125)
Zwar bezieht sich die vorhergehende Schrift vom Titel her auf Süsse, tatsächlich findet sich aber zusätzlich auf den Seiten 11 bis 16 der Lebenslauf seines Kollegen Wiedhold. Lesser bezeichnet ihn als „Vetter“, wobei eine echte verwandtschaftliche Beziehung nicht bekannt ist.

1749: Das Leben des Erasmus Rothmaler (1561-1611), Pfarrer (128)
Rothmaler  war Pfarrer in Frankenhausen. Er ist ein Urgroßvater von Lessers Mutter Aemilie Sophia, geb. Rothmaler [1665-1728]. Vor etlichen 30 Jahren (=ca. 1719) war für Lesser der Geburtsort Ilfeld des Erasmus Rothmaler ein Ciceronisches Tusculum, Näheres führt er nicht aus. Rektor an der Klosterschule Ilfeld war u.a. Michael Neander. Von ihm berichtet Lesser, dass dessen [Urenkel] Johann Christoph Neander [1660-1707] ein von Lukas Cranach gemaltes Bild von Michael Neander geerbt hatte. Als seine Frau [Susanna Catharina, geb. Schaffirt , err.1657-1721] starb, erbat Lesser dieses Bild für die Frauenberg-Kirche (Anm. S. 7).
Lesser erwähnt Gottlieb Christoph Schmaling als einem der Schüler der Ilfelder Klosterschule (S. 8). Ein Jahr vorher hatte Lesser seine Tochter Emilia in der Frauenbergkirche mit dem damaligen Pfarrer in Wulfingerode Ludwig Christian Schmaling (1725-1804) getraut, einen Bruder des Gottlieb Christoph. Nach der Pfarrstelle in Trebra wurde sein Schwiegersohn 1775 Superintendent und Inspektor in Osterwieck.
Lesser nennt nur zwei Kinder des Rothmaler. Er vermutet weitere, es konnten tatsächlich fünf weitere Kinder ermittelt werden {siehe A. Lesser, S. 135f.}. Bei den Veröffentlichungen hat Lesser die Leichenpredigt auf den Kanzler Simon Pistorius und vier Predigtensammlungen übersehen.

1750: Theodor Fabricius (1560-1597), Superintendent (132)
Auf S. 16 bezeichnet Lesser den Autor der braunschweigischen Kirchengeschichte, Philipp Jacob Rethmeyer, als seinen Freund. Dieser fehlt in seiner Korrespondentenliste {Rein 1993, S. 172}.
Bei dem Büchlein handelt sich um eine ausführliche Familiengeschichte über seinen Vater Andreas, der Pfarrer an Petri in Nordhausen war und weitere Familienmitglieder mit Hinweis auf seine Schriften. In der Rezension (interessanterweise schon 1749!) wird auf Lessers Versprechen hingewiesen, die Lebensläufe berühmter Nordhäuser zu veröffentlichen {Rezension Fabricius}.

1750: Moritz Bodenehr (1665-1749), Kupferstecher (136)
Lesser ruft zu einem Lexikon der Künstler analog dem Lexikon der Gelehrten auf und nennt einige Kupferstecher aus der Familie Bodenehrs. Er empfiehlt den Kupferstechern, in Zukunft ihre Vornamen auszuschreiben. Im Gegensatz zu anderen Kupferstechern „gehörte [er] nicht unter den niederträchtigen Pöbel der Kupferstecher, welche die Kunst zur Schande ihrer unförmlichen Geburten des Grabstichels aushecken (S. 653), sondern er beherrschte auch alle Abbildungen dieser Kunst. Hofkupferstecher des Königs in Polen und Kurfürsten zu Sachen (S. 654).

1750: Michael Neander (1525-1595), Klosterprobst in Ilfeld (141)
Lesser wünscht seinem Freund Mag. Karl Christian Hirsch, Diakon an St.Lorenz in Nürnberg, dass dessen Neander-Biographie bald erscheinen möge. Seine Sendung vom 21.2.1748 an Prof. Feuerlein in Göttingen mit dem zur Weitergabe an Hirsch vorgesehenen Manuskript ist nicht bei Hirsch angekommen (Rein 1993, S.). Lesser berichtet von dem Cranach-Bild, das nach dem Tod der Witwe Johann Christian Neanders in die Frauenberg-Kirche kam. Davon hatte er schon 1749 in der Vita Erasmus Rothmaler berichtet. Lesser bringt 2 Briefe von Neander an Pfarrer Anthon Otto, Nicolai-Kirche u.a. über einen Johann Ranft, über den wiederum schon laut Lesser Kindervater berichtet hat.

1750: Ernestus Ernst (15??-1595) (143)
Es ist seinem Schwippschwager Johann Gottfried Riemann gewidmet, als dieser am 7.1. 1751 zum 7. Mal Bürgermeister wurde. Lesser verweist auf manche unsichere Zuweisung von Familienmitgliedern in der Stammfolge, die auch heute noch ungeklärt sind.
Die Familie Ernst gehört zu den Vorfahren von Lessers zweiter Ehefrau.

1752: Apollo Wiegand (155)
Diese Schrift widmete Lesser seinem Schwager, dem Bürgermeister Chilian Volkmar Riemann zu dessen 9. Antritt als Bürgermeister. Lesser zählt seine Lebensberichte von Nordhäuser Berühmtheiten auf (S. 7), dies umfaßt aber nicht die Lebensberichte in den Waisenhausvorträgen (siehe unten). Da ihm weitere Informationen in die Hand gefallen sind, kann er Kindervaters Nordhusa illustris über Wiegand erweitern, obwohl ihm noch zahlreiche Daten fehlen.

1752: Das ausgestorbene Geschlecht der Herren v. Sundhausen (158)
Dieses Buch hat Lesser Anton Friedrich v. Beulwitz, schwarzburgischer Kanzler, Regierungs- und Konsistorialpräsident in Frankenhausen, zu dessen Geburtstag am 29. Januar 1752 gewidmet. Die Familiengeschichte beginnt 1276 mit der Belehnung des Zisterzienser-Nonnenklosters am Frauenberg in Nordhausen mit einem Gut in Sundhausen, dabei ist Henrich Sundhausen Zeuge. Hierbei verweist Lesser auf einen Schenkungsbrief von 1308, den Leuckfeld in seiner Chronik von Marienberg abgedruckt (S. 154f.) hat und von ihm erhalten hat und einen weiteren aus 1330 {S. 12ff.}.

1753: Graf Wilhelm V. von Schwarzburg und Hohnstein (1534-1597) (165)
Diese Schrift widmete Lesser Johann Friedrich Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt (1721-1777). Im Sommer 1752 war Lesser 3 Tage beim Fürsten zu Gast, der ihn an seiner Tafel speisen ließ, ihm sein Sonnenvergrößerungsglas zeigte und sich mit ihm privatissime dessen oberen Gewölbe seines Gartenhauses unterhielt. Der Fürst möge diese Arbeit genauso gnädig ansehen, wie damals seine Arbeit über den Muschelmarmor. Er gratuliert ihm am 4. zum baldigen Geburtstag am 8.1.
Ab S. 12 bearbeiten

1754: Herren v. Wanzleben aus der Handschrift des Georg Spalatin
Nicht ermittelt

 

Nicht einzeln dargestellt wurden bei Rein 1997 die Kurzbiographien von Nordhäuser Persönlichkeiten, die von Lesser in den Waisenhausvorträgen Nr. 49 bis 55 veröffentlicht wurden.:

1749, S. 29-31: Zimmermann, Johann Andreas, Pfarrer an Martini
1749, S, 48-50: Strecker, Franz Ernst, Pfarrer an Blasii
1749, S. 52-54: Ottilie Margarethe v. Bielen
1749, S. 58: Siekel, Jacob Michael, Prediger an Cyriaci und Elisabeth,s
1750, S. 31: Gohr, Andreas Mauritius, Pfarrer an Jacobi
1752, S. 41-46: Reinhardt, Johann Balthasar, Pfarrer an Nicolai
1753, S. 60: Andrae, Sigismund Wilhelm, Diakon an Nicolai,
1753, S. 74: Christian Friedrich Wiederholt
1753, S. 76-80: Bretschneider, Jacob, Bürgermeister,
1753, S. 34: Stange, Heinrich Volkmar, Pfarrer an Nicolai,
1753, S. 71: Siekel, Jacob Michael, Pastor an Frauenberg
1754, S. 60-61: Lieveit, Christoph, Lehrer
1754, S. 65-68: Hoffmeister, Johann Christoph, Vierherr