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29.09.2012 08:52 Alter: 4 yrs

Frauenfrömmigkeit im Spätmittelalter


Im Nordhäuser Museum Tabakspeicher stellte gestern Dr. Jörg Voigt im Rahmen einer ausgesprochen qualifizierten Veranstaltung das von ihm verfasste Buch „Beginen im Spätmittelalter“ vor, mit der nicht nur die Promotionsarbeit des Autors einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt, sondern damit verbunden, einige markante Stationen und Gegebenheiten Nordhausens in Erinnerung gerufen wurden, zu denen nnz nachfolgend berichtet...

Lesung im Tabakspeicher (Foto: J. Seifert)Dass die Historische Kommission für Thüringen – gemeinsam mit dem Böhlau Verlag Köln Weimar Wien – zu dieser Präsentation eingeladen hatte, ließ von vornherein das Niveau erkennen, das von dieser Veranstaltung zu erwarten war. Mit der Begrüßung der Teilnehmer durch den Stiftungsvorstand der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung, Dipl.-Kfm. Andreas Lesser, begrüßte der Hausherr des Tabakspeichers seine Gäste. Und brachte damit in Erinnerung, dass diese Stiftung ihren Sitz in Nordhausen hat und sie es war, die das Museum Tabakspeicher zu dem werden ließ, was es heute ist.

Damit nicht genug ist zwar Herausgeber des vorgestellten Buches die Historische Kommission für Thüringen, aber ohne die Förderung des Autors durch die Stiftung in Form eines Stipendiums, die es ihm überhaupt erst ermöglichte, sich uneingeschränkt den Forschungen zu den Beginen in Thüringen zu widmen, wäre es nicht zu diesem Buch gekommen. Dr. Voigt würdigte diese Tatsache und dankte Andreas Lesser auch ausdrücklich in seinem Vortrag.

Nach der Begrüßung folgte ein Grußwort von Dr. Helge Wittmann, Vorstandsmitglied der Historischen Kommission für Thüringen, mit dem er die Forschung um das Beginenwesen in Thüringen im Ergebnis dieses Buches durch Dr. Jörg Voigt umriss mit der spätmittelalterlichen Bedeutung der Frauenfrömmigkeit in Thüringen und im Reich.

Lesung im Tabakspeicher (Foto: J. Seifert)

Nachdem danach Prof. em. Dr. Helmut G. Winkler in hochformaler Art weiter in die Materie eingeführt hatte, stellte der Autor selbst recht anschaulich und leicht nachvollziehbar seine Forschungen vor, die zu diesem Buch führten. Der Berichterstatter beschränkt sich hier im Interesse allgemeiner Lesbarkeit auf den Text der Einladung und zeigt an, dass dem noch ein Bericht folgen wird, der sich dann allerdings sehr viel detaillierter mit dem Vortrag befassen wird. Wofür er schon hier Dr. Voigt dankt, der ihm diesen Bericht ermöglicht.

Immerhin aber soll hier schon herausgestellt sein, dass Dr. Voigt im Zuge seiner Forschungen die gute Zusammenarbeit mit den Nordhäuser Stadtarchivaren Dr. Peter Kuhlbrodt und Hans-Joachim Grönke ebenso hervorhob wie das gegenwärtige gute Verhältnis zu Dr. Wolfram G. Theilemann, dem nunmehrigen Stadtarchivar. Und auch nicht vergaß, die Mühlhäuser Archivare zu erwähnen. Alle zeigten sich außerordentlich aufgeschlossen gegenüber den Forschungen Dr. Voigts und machten sich durch Zuarbeiten verdient. Dazu später mehr.

Nach dem Einladungstext also waren Beginen religiös lebende Frauen ohne Anbindung an einen Orden. Die Studie möchte ein neues Licht auf das Beginenwesen werfen, das im Spätmittelalter zu den verbreitetsten Formen der vita religiosa von Frauen zählte. Im Zentrum der Untersuchung steht zunächst das bislang wenig erforschte Beginenwesen in Thüringen, vor allem in den Städten Erfurt, Mühlhausen, Nordhausen und Jena, wo sich Beginen zum Teil etablierten.

Lesung im Tabakspeicher (Foto: J. Seifert)Hiervon ausgehend werden gängige Deutungen des Beginenwesens, besonders seitens der Häresieforschung, auch für andere Städte und Regionen kritisch hinterfragt und auf breiter Quellengrundlage in weiten Teilen widerlegt. Das Beginenwesen war im Spätmittelalter in die kirchliche Ordnung integriert und stand trotz fehlender Ordenszugehörigkeit keineswegs unter Häresieverdacht. (Was schon deshalb bemerkenswert ist, als vielfach behauptet wird, Beginen seien phasenweise durch die katholische Kirche verfolgt und grausam bestraft worden.)

Nach einem Schlusswort des Lektors des Böhlau Verlags, Harald S. Liehr zur Entstehung Herausgabe und Bedeutung des Buches war noch ausreichend Gelegenheit, bei einem Umtrunk mit dem Autor, den Veranstaltern oder einfach miteinander ins Gespräch zu kommen.
Julius Seifert