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03.09.2012 08:51 Alter: 5 yrs

Noch viel zu tun...


Rund um das Holz als Baustoff dreht sich in diesem Jahr alles zum Tag des offenen Denkmals. Und da will ein Verein in Nordhausen natürlich mittendrin statt nur dabei sein. nnz sprach mit dem Vorsitzenden...


Das Südharzer Fachwerkzentrum ist eine "Versammlung" von Menschen in dieser Region, die nicht nur schwätzen oder kritisieren wollen. Die wollen mitmachen, anpacken. Selbstlos, enthusiastisch, engagiert - die in Summe also ein wenig verrückt sind. In das Haus Altendorf 48 haben sie so zusagen ihren künftigen Schrein hineinfokussiert. Das Haus samt Grundstück gehört dem Verein, es soll in vielen Jahren das werden, was im Vereinsnamen ausgedrückt wird - ein Fachwerkzentrum.

Doch bis dahin, es wird das Jahr 2018 angepeilt, müssen die bislang 25 Mitglieder noch einiges "unternehmen". Das Haus Altendorf 48 wird dann seinen 350. Geburtstag feiern. Jetzt erst einmal wird auf das vor uns liegende Wochenende geblickt. "Von 10 bis 18 Uhr werden wir an diesem Sonntag Führungen durch das Erdgeschoss sowie die zwei Etagen darüber anbieten. In beiden Geschossen können sich die Besucher die gut erhaltenen Bohlenstuben ansehen", lädt Vereinsvorsitzender Thomas Müller ein.

Freigelegte Bohlen (Foto: nnz)
Müller zeigt auf die freigelegte Bohlendecke

In der ersten Etage haben die "Fachwerker" eine Bohlendecke freigelegt, zeigen somit, wie die Zeit mehrere Schichten aufbrachte. Zu sehen sind Reste von Malereien, die damals in seltenen und kostbaren Farben auf die Bohlen aufgebracht wurden, wie eine Expertin in einem Gutachten konstatierte. Leider ist der Keller aus Sicherheitsgründen noch nicht begehbar, doch allein die "überirdischen" Schätze Jahrhunderte alter Baukunst sind es wert, um einmal erheischt zu werden.

Dachziegel (Foto: nnz)
Diese Ziegel kommen auf's Dach

Doch der Verein will nicht nur zeigen, er will auch machen. In den nächsten Wochen soll der erste Sanierungsabschnitt angegangen werden. "Mit Florian Pappe aus Erfurt haben wir dabei einen ausgewiesenen Fachmann an unserer Seite, der seine Kompetenz und sein Wissen bereits bei den Sanierungen von Hue des Grais in Wolkramshausen und der Kirche in Kleinwerther einbringen konnte", schwärmt der Vereinsvorsitzende. Mit dem Dachstuhl und der Dachhaut wird noch in diesem Monat begonnen. Die Ziegel, die einst das Gebäude in der Domstraße 12 deckten, kommen dann auf Altendorf 48, auch mit zwei Gauben soll das Dach bestückt werden. Hierfür werden finanzkräftige Sponsoren, vorzugsweise Unternehmen gesucht. Ansonsten kann sich weiterhin jeder Mensch mit Interesse am Historischen an der Dachziegelaktion beteiligen. Der Verkauf von 200 Ziegeln brachten bislang rund 3.000 Euro ein.

Bleiben wir noch ein wenig beim lieben Geld: Der erste Bauabschnitt wird runde 20.000 Euro verschlingen. 2.000 Euro aus Lottogeldern sind vorhanden, dazu kommen ein Grundstock aus der Lesser-Stiftung sowie 5.000 Euro aus der Sparkassen-Stiftung. Man merkt schon: Ein wenig positiv verrückt muss man schon sein.

Doch das Ziel heiligt vermutlich alle Anstrengungen, alle Stunden geopferter Freizeit schon jetzt. "Hier soll ein einmaliges Dokumentationszentrum entstehen. Im Erdgeschoss vielleicht ein Laden mit regionalen Produkten. Im ersten Obergeschoss soll eine Forschungsbibliothek etabliert werden, das zweite Obergeschoss wird Ausstellungsraum. Und vielleicht gelingt es uns auch, eine Kopie jeder Dokumentation eines im Südharz abgerissenen Hauses hier nach Nordhausen zu bekommen", erzählt Thomas Müller. Noch lagern die Originale in Erfurt.

Bleibt noch die Backstube im hinteren Bereich, denn von 1781 an war das Haus eine Bäckerei. Dieses Areal soll für Seminare und Workshops im wahrsten Sinne des Wortes genutzt werden. Wenn der Ofen wieder "brennt", dann können hier historischen Baustoffe "erlebt" werden. Und vielleicht, ja vielleicht, gibt es zu besonderen Tagen im Altendorf 48 auch wieder die berühmten Kümmelbrötchen. Die sollen, so wissen es viele Ur-Nordhäuser, die besten in der Rolandstadt gewesen sein.

Für die zuletzt wiedergegebene Aussage übernimmt Thomas Müller allerdings keine Gewähr. Sie können ihn und seine Mitstreiter am 9. September ab 10 Uhr bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen ja fragen.
Peter-Stefan Greiner