Frauenbergkirche

Es kommt nicht oft vor, dass Gebäude wieder aufgebaut werden, die aufgrund kriegerischer Einflüsse seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr existieren. Viel weniger noch erleben Sakralbauten ein derartiges Comeback. Die Dresdener Frauenkirche zum Beispiel ist ein auf diese Weise wiederauferstehendes Bauwerk. Millionen Spendengelder für ein Ziel: In einem Atemzug Geschichte zu negieren und zu reproduzieren. Ein Wiederaufbau ganz anderer Art fand in der Stadt Nordhausen am Südharz, statt. Hier zeugt ein kirchlicher Namenvetter der Frauenkirche in Dresden vom bewussteren Umgang mit der Vergangenheit.

Neu und Alt im Dialog lautete das Schlagwort beim Neuaufbau des im 2. Weltkrieg zerstörten Langhauses der kreuzförmigen romanischen Pfeilerbasilika „St. Beatae Mariae virginis in monte“.

Dort entstand um das Jahr 1150 auf einer leichten Anhöhe oberhalb eines Flusses ein Frauenkloster, ein Neuwerk (novum opus), in der Formensprache stilreiner Romanik. Der Konvent überstand den Bauernkrieg von 1525 nicht, wohl aber die baulichen Anlagen. Zwar verfiel der Kreuzgang im Laufe der Jahrhunderte und wurde letztlich im 18. Jh. bis auf wenige Mauern abgerissen. Was aber blieb war das romanische Gotteshaus die Frauenbergkirche „St. Mariae novi operis“ und die Wirtschaftsbauten des Klosters. Letztere beinhalteten noch in der ersten Hälfte des 20. Jh. die älteste erhaltene Fachwerkkonstruktion (um 1225) in Deutschland. All dies versank am Ende des 2. Weltkriegs, im April 1945 unter den Bombenlasten zweier britischer Bomberarmadas in einem Trümmermeer mit samt der übrigen Stadt.

Mühevolle Jahre unter den Bedingungen einer DDR-Mangelwirtschaft standen der Frauenberggemeinde bevor. Von der dreischiffigen Kirche blieben nur der Chor, das Querhaus sowie das Westportal des Langhauses erhalten. Der Rest war Geschichte. Die Jahre der Sicherung und des Wiederaufbaus der verbliebenen Teile der Kirche waren schwer und mühsam. Zunächst schien es, als würde mit der Frauenbergkirche wie mit den Ruinen der anderen Nordhäuser Stadtkirchen verfahren. Während die zerbombten Kirchen St. Jacobi, St. Nicolai und St. Petri einer „Neuen Zeit“ weichen mussten, schien es, als hielte über „St. Mariae virginis in monte“ ein Schutzengel seine Flügel.

Vielleicht war es ein Zeichen, als in den zerborstenen und ausgebrannten Trümmern der Frauenbergkirche der verkohlte und seines Leibes beraubte Kopf des Jesus geborgen werden konnte. Das schmerzverzerrte Antlitz des im Todeskampf Befindlichen steht für den beinahe völligen Untergang der Kirche im Bombenhagel. Er wird jetzt im Gemeindehaus der Kirche aufbewahrt als Zeichen dafür, dass Christus über alle Gewalt und alle Zerstörung durch Menschen der Herr ist.

Letztlich waren es säkulare und kirchliche Initiativen im Miteinander, die zur Rettung der Frauenbergkirche beitrugen, stets in dem Bemühen, ein Haus Gottes zu erhalten.

Nach jahrzehntelangen Räum- und Sanierungsmaßnahmen konnten die verbliebenen Baulichkeiten am 3. Juli 1983 als kleines Gotteshaus wieder neu geweiht und der Gemeinde als übergeben werden. Der Respekt vor dem Wiederaufbauwillen der Gemeinde ist groß. Doch alles in allem bot die ehemalige Klosterkirche ein unfertiges Bild, denn nach wie vor fehlte das im Kriege zerstörte Langhaus.

„Wir wollen unsere Kirche - sowohl im Geiste als auch in der Architektur - in die Welt hinein öffnen.“ sagte Pfarrer Joachim Kruse und beschrieb damit ein zukunftweisendes Projekt. Aus dem Wunsch der Kirchengemeinde heraus, ihrem Gotteshaus mehr Offenheit und Transparenz zu geben, entstand die Idee, den zugemauerten Gurtbogen zwischen zerstörtem Längs- und erhalten gebliebenen Querschiff zu öffnen und durch eine Glaskonstruktion neu zu gestalten. Damit wurde der erste Schritt des Entwurfs der Erfurter Architektin Dr. Krista Blassy mit einer zeitgenössischen Abstrahierung des Langhauses realisiert.

Im Jahr darauf konnte auch der zweite Schritt umgesetzt werden: Spendenaktionen und Gelder der kirchlichen und öffentlichen Hand, insgesamt aus 27 Fördertöpfen, sicherten die Finanzierung.

Die Stiftung finanzierte mit 50.000 € den Ersatz der bislang zugemauerten Verbindung zwischen dem bestehenden Querschiff und dem früheren Langschiff durch eine Glaskonstruktion allein. Mit weiteren € 50.000 hat die Stiftung den zweiten Schritt, den Aufbau des abstrahierten Langhauses, unterstützt.

Impressionen